Baufinanzierung Lexikon

Was sind Bereitstellungszinsen?

Bereitstellungszinsen (auch: Bereithaltungszinsen) sind Gebühren, die eine Bank erhebt, wenn ein bewilligtes Darlehen ganz oder teilweise bereitsteht, aber vom Kreditnehmer noch nicht abgerufen wurde. Sie entstehen typischerweise bei Neubauten mit etappenweiser Auszahlung.

Warum erheben Banken Bereitstellungszinsen?

Wenn eine Bank ein Darlehen bewilligt und die Mittel bereitstellt, bindet sie Kapital, unabhängig davon, ob der Kreditnehmer es bereits abruft. Die Bereitstellungszinsen kompensieren die Bank für diese Kapitalbindung und das Risiko während der Wartezeit.

Höhe und Berechnung

Die Höhe der Bereitstellungszinsen ist nicht gesetzlich geregelt und variiert je Bank. Üblich sind:

Berechnet wird auf den noch nicht abgerufenen Darlehensbetrag, nicht auf die gesamte Darlehenssumme. Wenn Sie 100.000 € von 300.000 € bereits abgerufen haben, fallen Bereitstellungszinsen nur auf die verbleibenden 200.000 € an.

Rechenbeispiel: Neubaufinanzierung

Bereitstellungszinsen bei Verzögerung

Darlehenssumme: 400.000 € · Bereitstellungszins: 0,25 % / Monat · Abruffreie Zeit: 6 Monate

MonatAbgerufener BetragNoch nicht abgerufenBereitstellungszins
1-60 €400.000 €1.000 € / Monat
7 (Baustufe 1)120.000 €280.000 €700 € / Monat
10 (Baustufe 2)250.000 €150.000 €375 € / Monat

Allein durch die 6-monatige Wartezeit entstehen 6.000 € Bereitstellungszinsen, Geld das direkt gespart werden könnte.

Bereitstellungsfreie Zeit

Die meisten Banken gewähren eine bereitstellungsfreie Zeit, einen Zeitraum nach Darlehensbereitstellung in dem noch keine Bereitstellungszinsen anfallen. Üblich sind:

Praxis-Tipp für Neubauer: Achten Sie beim Angebotsvergleich nicht nur auf den Zinssatz, sondern auch auf die bereitstellungsfreie Zeit und den Bereitstellungszinssatz. Bei Neubauten mit langer Bauphase kann ein scheinbar günstigeres Angebot durch hohe Bereitstellungszinsen am Ende teurer werden.

Wie vermeiden Sie unnötige Bereitstellungszinsen?


Verwandte Begriffe

Häufige Fragen
Wann beginnen Bereitstellungszinsen zu laufen?
Nach Ablauf der vertraglich vereinbarten bereitstellungsfreien Zeit. Diese beträgt je nach Bank 6-12 Monate ab Darlehenszusage. Erst danach fallen Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Betrag an.
Fallen Bereitstellungszinsen auch beim Immobilienkauf (nicht Neubau) an?
Bei Kauffinanzierungen wird das Darlehen meist auf einmal bei der Schlüsselübergabe abgerufen. Wenn zwischen Zusage und Übergabe viel Zeit vergeht, können Bereitstellungszinsen entstehen, aber das ist seltener als beim Neubau.
Sind Bereitstellungszinsen im Effektivzins enthalten?
Nur wenn sie von Anfang an vertraglich vereinbart und vom Betrag und Zeitpunkt her vorhersehbar sind. Bei Neubauten mit ungewissem Abrufzeitpunkt sind sie oft nicht im Effektivzins enthalten.
Kann ich Bereitstellungszinsen vermeiden?
Vollständig vermeiden ist schwer, aber Sie können sie reduzieren: durch realistische Bauplanung, kurze bereitstellungsfreie Zeiträume im Vertrag oder indem Sie das Darlehen frühzeitig abrufen und kurzfristig parken.

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