Baufinanzierung Lexikon

Was sind Kaufnebenkosten?

Kaufnebenkosten sind alle Kosten, die beim Erwerb einer Immobilie zusätzlich zum eigentlichen Kaufpreis anfallen. Sie umfassen Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie ggf. Maklerprovision und betragen je nach Bundesland und Situation typischerweise 10-15 % des Kaufpreises.

Die vier Kostenblöcke im Überblick

1. Grunderwerbsteuer

Die Grunderwerbsteuer ist eine Ländersteuer, jedes Bundesland legt seinen Satz selbst fest. Sie ist in der Regel der größte Einzelposten der Kaufnebenkosten. Maßgeblich ist das Bundesland, in dem die Immobilie liegt, nicht Ihr Wohnort.

Aktuelle Sätze 2026 (Quelle: Bundesfinanzministerium)

Grunderwerbsteuer nach Bundesland

BundeslandSteuersatzBei 350.000 €
Bayern3,5 %12.250 €
Baden-Württemberg5,0 %17.500 €
Niedersachsen5,0 %17.500 €
Rheinland-Pfalz5,0 %17.500 €
Sachsen-Anhalt5,0 %17.500 €
Thüringen5,0 % (seit 01.01.2024, vorher 6,5%)17.500 €
Bremen5,5 % (seit 01.07.2025, vorher 5,0%)19.250 €
Hamburg5,5 %19.250 €
Sachsen5,5 %19.250 €
Berlin6,0 %21.000 €
Hessen6,0 %21.000 €
Mecklenburg-Vorpommern6,0 %21.000 €
Brandenburg6,5 %22.750 €
Nordrhein-Westfalen6,5 %22.750 €
Saarland6,5 %22.750 €
Schleswig-Holstein6,5 %22.750 €

Unterschied Bayern vs. NRW bei 350.000 €: 10.500 €. Stand Juni 2026, Quelle: Bundesfinanzministerium.

2. Notarkosten

Der Immobilienkaufvertrag muss notariell beurkundet werden. Die Notarkosten sind gesetzlich im GNotKG geregelt, sie sind bundeseinheitlich und nicht verhandelbar. Typische Kostenpunkte:

Faustformel: ca. 1,0-1,5 % des Kaufpreises für alle Notarleistungen zusammen.

3. Grundbuchkosten

Für die Eintragung des neuen Eigentümers und der Grundschuld im Grundbuch fallen Gebühren an. Diese sind ebenfalls gesetzlich geregelt (GNotKG). Faustformel: ca. 0,3-0,5 % des Kaufpreises.

4. Maklerprovision (falls Makler beauftragt)

Seit Dezember 2020 gilt beim Kauf von Wohnimmobilien das Bestellerprinzip: Wer den Makler beauftragt, zahlt mindestens die Hälfte der Provision. In der Praxis wird die Provision häufig zwischen Käufer und Verkäufer geteilt. Die Höhe der Gesamtprovision ist nicht gesetzlich geregelt und variiert je nach Makler und Region. Holen Sie sich bei Unklarheiten mehrere Angebote ein oder fragen Sie vor dem Kauf explizit nach der Höhe der Provision.

Gesamtüberblick: Kaufnebenkosten bei 350.000 € in Baden-Württemberg

Typische Gesamtkosten

PositionBetrag (ca.)
Grunderwerbsteuer (5,0 %)17.500 €
Notarkosten (ca. 1,2 %)4.200 €
Grundbuchkosten (ca. 0,4 %)1.400 €
Maklerprovision (variabel)je nach Vereinbarung
Gesamt ohne Makler23.100 € (ca. 6,6 %)

Wichtig: Die Kaufnebenkosten müssen in der Regel aus Eigenkapital bezahlt werden, Banken finanzieren sie im Normalfall nicht mit. Planen Sie mindestens 10-15 % des Kaufpreises als Reserve für Nebenkosten ein.


Verwandte Begriffe

Häufige Fragen
Wann muss ich die Kaufnebenkosten bezahlen?
Die Grunderwerbsteuer wird nach der Beurkundung durch das Finanzamt per Bescheid angefordert, die Zahlung ist Voraussetzung für die Eintragung ins Grundbuch. Notarkosten werden nach Rechnungsstellung fällig, meist kurz nach der Beurkundung.
Kann die Bank die Kaufnebenkosten mitfinanzieren?
In Ausnahmefällen ja, bei sehr guter Bonität und niedrigem Beleihungsauslauf. Das ist aber teuer (höhere Zinsen) und nicht die Regel. Planen Sie die Nebenkosten immer aus Eigenkapital ein.
Ändert sich die Grunderwerbsteuer beim Kauf einer Neubauimmobilie vom Bauträger?
Nein. Die Grunderwerbsteuer fällt auch beim Neubau an, auf den gesamten Kaufpreis inklusive Grundstück und Baukosten.
Fällt Grunderwerbsteuer auch bei Schenkung oder Erbschaft an?
Nicht bei Schenkungen und Erbschaften zwischen engen Familienmitgliedern (Ehegatten, Kinder). Bei allen anderen Übertragungen ja.

Noch Fragen zur Baufinanzierung?

Wir erklären Ihnen alles persönlich und finden die optimale Finanzierung für Ihre Situation, kostenlos und unverbindlich.

Kostenlos anfragen →